Report: Leon Theremin und die Geschichte des Theremins - AMAZONA.de (2022)

Das Theremin - music in the air

25. Dezember 2021

Ob das Theremin tatsächlich das erste elektronische Musikinstrument war, lässt sich nicht hundertprozentig belegen, dass Lew Thermen mit seiner Erfindung ein Pionier der elektronischen Musikinstrumente war und einen weiteren Pionier , Robert Moog, maßgeblich beeinflusst hat, ist Fakt.

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Die Quellensuche im Internet über das Thema Theremin und seinen Erfinder Leon Thermen im Speziellen ist unglaublich spannend, die Lebensgeschichte liest sich teilweise wie ein Agentenroman – KGB, Entwicklung von Abhöreinrichtungen, Wanzen in der amerikanischen Botschaft … dabei wollte ich eigentlich nur den Ursprüngen meines Moog Etherwave Theremins nachgehen und eine Geschichte über das Theremin schreiben, einfach weil dieses Instrument ungemein faszinierend ist.

Die Geschichte des Theremins wird von drei Personen maßgeblich beeinflusst – holen wir sie vor den Vorhang.

Leon Theremin

Lew Sergejewitsch Termen, der sich erst nach seiner Ausreise in den Westen Leon Theremin nannte, wurde 1896 in St. Petersburg geboren. Er studierte Cello am St. Petersburger Konservatorium und studierte im Anschluss an seine musikalische Ausbildung Physik. Er leitete das physikalisch-technische Institut in Petrograd und arbeitete eng mit dem Moskauer Institut für Musikwissenschaften zusammen.

In dem Labor des Instituts forschte er an elektrischer Oszillation und arbeitete an einem elektronischen Metalldetektor, als er auf einen wie von Geisterhand ausgelösten Toneffekt stieß. Termen erkannte das Potential dieser Entdeckung und stellte am 5. August 1920 das sogenannte „Aeterophon“ der staunenden Öffentlichkeit vor. In dieser Ur-Version des Theremins wurde die Tonhöhe bereits durch Handbewegungen in der Luft gesteuert, die Lautstärke aber durch ein Pedal geregelt. Thermen entwickelte das Instrument weiter, in der überarbeiteten, „Thereminvox“ genannten Version konnte der Spieler nun auch die Lautstärke über Handbewegungen in der Luft ansteuern. Ein derart futuristisches elektronisches Musikinstrument symbolisierte technischen Fortschritt und sorgte für Begeisterung und war somit natürlich auch politisch interessant. 1921 stellte Termen das Instrument in einer Privataudienz im Kreml Lenin persönlich vor.

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Thermen war aber nicht der einzige, der an elektronischen Klängen forschte. So entstand 1923 das Ondes Martenot, das auf ähnlichen Prinzipien beruhte – der Entwickler Maurice Martenot hatte auch Kontakt zu Leo Thermen. Beim Martenot wurde die Tonhöhe durch einen an einem drahtgeführten Ring gesteuert.

Das Theremin geht um die Welt

1927 präsentierte Termen das Theremin international auf einer Art Welttournee dem staunenden Publikum.

Im Zuge seiner Welttournee arbeitete er auch mit der Theremin Virtuosin Clara Rockmoore zusammen und lebte ab 1928 einige Zeit in New York. Thermen ließ das Theremin patentieren, verkaufte das Patent an RCA, die das Theremin in Großauflage herstellen wollten, der Erfolg war allerdings eher bescheiden, es wurden angeblich nur 500 Exemplare verkauft. Er änderte seinen Namen auf Leo Theremin und forschte in einem futuristisch anmutendem Labor – eine Inszenierung, auch um weitere Geldgeber und Investoren zu akquirieren.

Weitere elektronische Musikinstrumente, die Leo Theremin entwickelte, waren ein elektrisches Cello ohne Saiten und das sogenannte Terpsiton, eine Art Tanzplattform, die Körperbewegungen in Töne verwandelte, sowie das Rhythmicon, das mittels optischer Abtastung Tonfolgen von rotierenden Scheiben ablesen und erzeugen konnte.

Noch in Moskau arbeitete Theremin aber auch an Techniken, die für militärische Nutzung interessant waren, wie z. B. an drahtloser Bildübertragung. 1938 kehrte Theremin unter ungeklärten Umständen in die UdSSR zurück, wo er unter Haftbedingungen mit anderen Wissenschaftlern an weiteren militärischen Projekten arbeitete. Er entwickelte unter anderem eine legendäre Abhöreinrichtung (oder „Wanze“), mit der die US-Botschaft abgehört wurde (das Abhörmikrofon wurde in ein Kunstwerk, das dem amerikanischen Botschafter überreicht wurde, eingebaut) und ein Infrarot -Abhörmikrofon, das Schallwellen über die Vibrationen von Fensterscheiben abscannen konnte.

Hinter diesem Holzrelief verbarg sich eine von Leon Theremin konstruierte Abhöreinrichtung

Für seine militärisch-geheimdienstlichen Erfindungen erhielt Theremin den Stalin-Preis erster Klasse (angeblich von Stalin in der Urkunde persönlich von zweite auf erste Klasse handschriftlich ausgebessert). Er wurde aus der Haft entlassen, arbeitete aber weiter für den KGB. Erst 1964 tauchte Theremin offiziell wieder auf, und entwickelte – als Alterswerk sozusagen – seine Instrumente weiter.

Theremin starb im Alter von 97 Jahren am 03.11.1993 in Moskau.

Clara Rockmore

Clara Rockmore gilt als DIE Theremin-Virtuosin und brachte mit ihrer unnachahmlichen Art und Spieltechnik das Theremin einem breiten Publikum näher. Sie galt als musikalisches Wunderkind und studierte Violine am St. Petersburger Konservatorium. Nachdem sie ihre Karriere an der Violine aufgrund von Gelenkproblemen bereits in jugendlichen Jahren beenden musste, wandte sie sich dem neuartigen Theremin zu. Aufgrund ihrer klassischen Ausbildung und Schnelligkeit in Verbindung mit ihrem absoluten Gehör hatte sie wie sonst nur wenige die Vorraussetzungen, um das Theremin virtuos zu spielen. Sie emigrierte 1920 in die Vereinigten Staaten und gab Leon Theremin wesentlichen Input zur Verbesserung und Weiterentwicklung des Instruments.

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Die Spieltechniken, die Clara Rockmore entwickelte, sind auch heute noch Standard. Die DVD „Mastering the Theremin“ bietet einen Grundlagenkurs auf Basis der Spieltechniken Rockmores und ist jedem ans Herz gelegt, der die fantastischen Ausdrucksmöglichkeiten dieses Instruments kennenlernen möchte.

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Robert Moog

Robert Moogs Ursprünge als Elektronik-Instrumentenbauer sind eng mit dem Theremin verknüpft. Schon in den 1950ern baute er zusammen mit seinem Vater sein erstes eigenes Theremin. 1961 veröffentlichte er in der Fachzeitschrift Electronics World einen Artikel über den Selbstbau eines Theremins und stellte in Zusammenarbeit mit seinem Vater Theremin Bausätze zum Preis von 50 Dollar im Keller seines Elternhauses her, danach folgte mit dem Theremin A das erste Produkt von R.A Moog Music.

Moog reparierte sogar Clara Rockmoores Theremin Ende der 1980er. Er blieb auch nach seinen Erfolgen mit dem Modularsystem und dem Minimoog dem Theremin verbunden, seit den Neunzigern des letzten Jahrhunderts ist das Moog Etherwave Theremin wieder fixer Bestandteil des Produktportfolios vom Moog Music und wird als Bausatz und als fertig montiertes Gerät angeboten. Obwohl Moog wie kaum ein anderer Name für analoge Klangerzeugung steht, wurden doch die Möglichkeiten der digitalen Simulation von analoger Klangerzeugung ausgelotet und die Moog Foundation entwickelte das Theremini, dessen Klangerzeugung eben digital ist und das weitergehende Klangformungsmöglichkeiten bietet.

Credits – wer hat es wo gespielt

Der Klang des Theremins war neu und ungewöhnlich, wie aus einer anderen Welt, die Spielweise ist jedoch auch an klassischen Streichinstrumenten wie der Violine angelehnt. Zunächst beschäftigten sich daher auch klassische Komponisten aus dem Leningrader Kulturkreis mit den Möglichkeiten des Instruments. Aber das Interesse war geweckt. Joseph SchillingersFirst Airphonic Suite war eine der wichtigsten Kompositionen für das Theremin in dieser Zeit. Nebenbei war Schillinger auch Nutzer des Rhythmicons und komponierte auf Basis mathematischer Formeln. Ein Urvater des Musikanten mit Taschenrechner in der Hand. Die völlig freie Möglichkeit des Ausdrucks weckte auch die Fantasie unkonventioneller Zeitgenossen, wie etwa des australischen Komponisten Percy Graininger, der das schöne Statement „es ist absurd, im Zeitalter des Fliegens zu leben und immer noch an Noten und Töne gebunden zu sein“ hinterlassen hat. Gegen 1930 flaute das Interesse an dem neuartigen Instrument dann doch ab, es gab noch eine umjubelte Aufführung 1932 in der Pariser Oper, danach verebbte die Begeisterung in Europa und Thermen verlegte seinen Fokus über den Atlantik, auch galt das Theremin zu der Zeit als „jüdisches Instrument“.

Über den großen Teich wurde das Theremin in der Filmmusik eingesetzt, etwa in „King Kong und die weiße Frau“ oder in „Frankensteins Braut“, zunächst nicht in vorderster Front.

Nahelegender war da natürlich die Verwendung für Soundeffekte z. B. in Filmen von Alfred Hitchcock oder Billy Wilder. Samuel Hoffmann war damals der Interpret für die schaurigen Soundeffekte, nachdem Clara Rockmoore sich geweigert hatte, das Theremin für diese Zwecke zu performen. Hoffmann interpretierte auch das Album „Music out oft he moon“ das im Zuge der Apollo 11 Mission tatsächlich auf den Mond mitgenommen wurde.

Abgesehen von der Verwendung für Soundeffekte fand das Theremin auch in der aufkommenden Pop-Musik Verwendung. Stets angeführt hier die Beach Boys mit „Good Vibrations“, obwohl hier kein Theremin, sondern ein „Tannerin“ zum Einsatz kam, weiterhin prominent Led Zeppelins „Whole Lotta Love“, auch Jean-Michel Jarre setze das Theremin live und im Studio ein, ebenso ist es auf einigen Aufnahmen von Tom Waits verewigt.

Auch im Jazz wurde das Theremin natürlich gerne eingesetzt, aber auch in meiner Domäne, den TV-Jingles. Es ist in der Musik zu Babylon V zu hören, am prominentesten wohl aber in den Jingles zu Inspector Barnaby, da exzellent performt von Celia Sheen, besser kann man das Theremin für diesen Zweck nicht in Szene setzen.

Das Moog Etherwave Theremin

Mein Moog Etherwave Theremin habe ich aus dem Nachlass eines von mir sehr geschätzten Musikers erworben, den ich leider nie persönlich kennengelernt habe. Das Moog Etherwave Theremin ist eigentlich ein sehr limitiertes Instrument, die Klangerzeugung simpel, es gibt nur eine Klangfarbe. Der Abstand der linken Hand zum Bügel regelt die Lautstärke, der Abstand der rechten Hand zur Antenne regelt die Tonhöhe. Es gibt keinen doppelten Boden, keine Spielhilfen. Vibratos und Glissando müssen gespielt werden. Um präzise Intervalle zu spielen, empfiehlt sich die Technik, den Daumen in Grundtonposition zu lassen und die folgenden Töne mit den weiteren Fingern an eingeübten Positionen auszulösen. Das einmal verinnerlicht, ermöglicht es, die Töne präziser auszulösen.

Auch wenn das jetzt alles kompliziert klingt, es hat einfach Magie, dieses Instrument zu spielen und ja, man muss sich darauf einlassen und üben und nochmals üben, um Verwertbares herauszuholen und zu Erfolgserlebnissen zu kommen.

Wie funktioniert das Etherwave Theremin technisch

Die beiden Antennen des Theremins entsprechen elektrotechnisch Elektroden. Die Hand des Spielers und der Spieler selbst bilden die Masse. Der Abstand der Masse zur Elektrode beeinflusst Schwingung und Güte des Referenzoszillators. Da die über die Antenne empfangbaren Kapazitätsänderungen sehr gering sind, wirken diese nur bei sehr hohen Frequenzen, die über dem Hörbereich des menschlichen Ohres liegen. Der Referenzoszillator ist daher in diesem sehr hohen Frequenzbereich getaktet. Damit das Ergebnis wieder hörbar ist, wird das Signal mit einem Referenzoszillator mit statischer Frequenz gemischt, dadurch wird das Ausgangssignal wieder in den Hörbereich gebracht.

Das Schaltungsprinzip eines Theremins

Auf dem gleichen Prinzip beruht die Steuerung der Lautstärke des ausgegebenen Signals. Auch hier wird die Kapazität des Lautstärkeoszillators durch die Position des Spielers zur Antenne/Elektrode bestimmt. Je größer die Entfernung, desto geringer die Schwingung und somit die ausgegebene Steuerspannung für die Lautstärke. Bei den Ur-Theremins von Lev Thermen waren noch Röhrenoszillatoren in Verwendung, später wurden dann Transistoroszillatoren verbaut.

Die Gegenwart und Zukunft

Das Moog Theremini ist nicht die letzte Evolution des Theremins, zu spannend und zeitlos ist das jetzt über einhundert Jahre alte Konzept. Ein zentrales Problem dieses faszinierenden Instruments ist, dass es sehr schwer zu spielen ist. Zum einen benötigt der Spieler ein sehr gutes – noch besser ein absolutes Gehör – und man muss wirklich üben, üben, üben – in unserer schnelllebigen Zeit ist das schwer zu vermitteln.

Das Moog Theremini hat eine digitale Tonerzeugung und bietet grafisches Feedback über die gespielte Tonhöhe

In den Startlöchern steht aktuell die nächste Evolutionsstufe des Erbes von Leo Thermen, das Moog Claravox Centennial Theremin, das auf der Schaltung des Moog Etherwave Pro Theremins basiert und eine erweiterte Klangerzeugung und Spielhilfen in Form von Skalierungen und App-Steuerung bieten soll.

Das Moog Claravox Centennial Theremin ist die letzte Evolutionsstufe des Theremins

Ich persönlich bin schon sehr gespannt auf die Möglichkeiten dieses neuen Instruments, könnte es doch das Theremin einem breiteren Publikum näherbringen – die Geschichte ist jedenfalls noch nicht zu Ende – there is still Music in the Air …

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Author: Sen. Ignacio Ratke

Last Updated: 09/20/2022

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